Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Wenn du dich in den Beschwerden wiederfindest, lass sie bitte abklären.
Du krümmst dich jeden Monat vor Schmerzen, ohne Wärmflasche und Schmerzmittel geht nichts, und irgendwann fragst du dich: Ist das wirklich noch normal?
Die kurze Antwort: Nein, das ist wahrscheinlich nicht normal. Lass uns das durchdenken, mit Klarheit im Kopf und Regenbogen im Herzen, für ein starkes Becken.
Klarheit im Kopf
Ein paar Zahlen vorweg
Etwa jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter hat Endometriose, weltweit sind das rund 190 Millionen.
In Österreich sind bis zu 300.000 Frauen betroffen.
Vom ersten Symptom bis zur Diagnose dauert es in Österreich und Deutschland im Schnitt über zehn Jahre.
Drei von vier Frauen bekommen auf dem Weg dorthin mindestens eine falsche Diagnose.
Endometriose ist also nicht selten. Sie wird nur selten früh erkannt.
Was ist Endometriose?
Bei Endometriose wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, an Stellen, an die es nicht gehört: außerhalb der Gebärmutter.
Dieses Gewebe reagiert auf deine Hormone, genau wie die Schleimhaut in der Gebärmutter. Es wird im Zyklus aufgebaut und kann bluten. Der Unterschied: Das Blut kann nicht abfließen. Die Folgen sind Entzündungen, Narben und Verklebungen, und genau das tut weh.
Endometriose ist chronisch und gutartig, also kein Krebs. Sie kann den Alltag aber massiv einschränken.
Eine nahe Verwandte ist die Adenomyose. Hier wächst das Gewebe in die Muskelwand der Gebärmutter hinein. Typisch sind sehr starke, lange und schmerzhafte Blutungen.
Wo können Endometriose-Herde sitzen?
Am häufigsten im kleinen Becken:
an den Haltebändern hinter der Gebärmutter
an den Eierstöcken (dort können Zysten entstehen, die sogenannten „Schokoladenzysten“)
am Bauchfell und im Raum zwischen Gebärmutter und Darm
Aber auch:
am Darm, an der Blase und an den Harnleitern
in der Scheide
in Narben, zum Beispiel nach einem Kaiserschnitt
Selten sogar am Zwerchfell oder an der Lunge.
Woher kommt Endometriose?
Ganz ehrlich: Wir wissen es nicht genau. Es gibt mehrere Theorien, und wahrscheinlich spielen mehrere Dinge zusammen:
Rückwärts-Menstruation: Bei der Periode fließt etwas Blut durch die Eileiter zurück in den Bauchraum. Das passiert aber bei fast allen Frauen, und nur manche bekommen Endometriose. Allein erklärt es das also nicht.
Das Immunsystem: Bei manchen Frauen räumt es dieses Gewebe offenbar nicht richtig weg.
Hormone: Das Gewebe reagiert besonders stark auf Östrogen.
Gene: In manchen Familien kommt Endometriose gehäuft vor.
Verbreitung über Blut- und Lymphbahnen: Das würde erklären, warum Herde manchmal weit weg vom Becken auftauchen.
Endometriose ist also kein „Fehler“ an einer Stelle, sondern ein Zusammenspiel vieler Faktoren.
Die vier Hauptsymptome: die „4 D“
Dysmenorrhö: starke Regelschmerzen. Schmerzen, die dich lahmlegen, mit denen du nicht zur Schule oder Arbeit gehen kannst oder die Schmerzmittel kaum lindern.
Dyspareunie: Schmerzen beim Sex. Oft tief im Becken, bei bestimmten Stellungen oder auch noch danach.
Dyschezie: Schmerzen beim Stuhlgang. Vor allem rund um die Periode.
Dysurie: Schmerzen beim Wasserlassen. Ebenfalls oft zyklusabhängig.
👉 Wenn du dich in mehr als einem dieser Punkte wiederfindest, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Was noch dazugehören kann
Unterbauchschmerzen, die auch außerhalb der Periode auftreten
Starke oder lange Blutungen, Zwischenblutungen
Ein aufgeblähter Bauch rund um die Periode, der sogenannte „Endo-Belly“
Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung rund um die Periode
Schmerzen, die in den Rücken oder die Beine ausstrahlen
Erschöpfung
Unerfüllter Kinderwunsch
Selten: Schulterschmerzen, die mit dem Zyklus kommen und gehen
Wichtig: Wie stark die Schmerzen sind, sagt nichts darüber aus, wie viel Endometriose da ist. Manche Frauen mit vielen Herden haben kaum Beschwerden, andere mit wenigen Herden haben starke Schmerzen.
Wie wird Endometriose diagnostiziert?
1. Das Gespräch. Deine Ärztin fragt nach deinen Schmerzen, deinem Zyklus, Sex, Stuhlgang, Wasserlassen und Kinderwunsch. Tipp: Schreib ein paar Wochen lang mit, wann und wie stark es wehtut. Das hilft enorm.
2. Die gynäkologische Untersuchung mit Ultraschall durch die Scheide. Laut der aktuellen Leitlinie für Österreich, Deutschland und die Schweiz ist das heute die zentrale Untersuchung.
3. Wenn nötig: MRT. Damit lässt sich zum Beispiel besser sehen, ob Darm oder Blase betroffen sind.
4. Die Bauchspiegelung ist nicht mehr automatisch nötig, um die Diagnose zu stellen. Sie kommt zum Einsatz, wenn die Bilder unauffällig sind, die Beschwerden aber bleiben, oder wenn ohnehin operiert werden muss.
Gut zu wissen:
Ein unauffälliger Ultraschall heißt nicht automatisch, dass du keine Endometriose hast. Kleine Herde am Bauchfell sind oft nicht sichtbar.
Es gibt einen Speicheltest. Er kostet rund 800 €, die du selbst zahlst, und wird von der Leitlinie noch nicht empfohlen, weil die Datenlage zu dünn ist.
Nicht jede Gynäkologin ist auf Endometriose spezialisiert. Wenn du nicht weiterkommst, ist ein zertifiziertes Endometriose-Zentrum der richtige Weg.
👉 Ganz unten findest du eine Liste mit Endometriose-Zentren und spezialisierten Ärztinnen und Ärzten in Österreich.
Merke: Nicht jeder Regelschmerz ist Endometriose. Aber starke Regelschmerzen gehören immer abgeklärt.
Regenbogen im Herzen
Und was macht das mit dir?
Vielleicht kennst du das: Du liegst zusammengekrümmt im Bett und fragst dich gar nicht, ob da etwas nicht stimmt. Sondern ob mit dir etwas nicht stimmt. Ob du einfach wehleidiger bist als die anderen. Ob du dich mehr zusammenreißen solltest.
Und dazu kommt die Angst, dass dir niemand glaubt. Dass die anderen denken, du nimmst deine Periode als Ausrede, um beim Turnen auszusetzen oder eine Pause zu machen.
„Das ist bei Frauen halt so.“ Vielleicht hast du den Satz schon oft gehört. Von deiner Mutter, deiner Oma, einer Lehrerin, vielleicht sogar von einer Ärztin. „Regelschmerzen gehören dazu.“ „Stell dich nicht so an.“ „Das wird besser, wenn du ein Kind bekommst.“ „Ich kenn das, das ist eben so.“
Die Sätze der Frauen unserer Kindheit werden irgendwann unsere eigenen. Dabei haben deine Mutter, deine Oma und deine Lehrerin das Wort Endometriose wahrscheinlich nie gehört. Sie haben weitergegeben, was sie selbst gelernt haben.
Und das hat Folgen: Eine Studie aus Österreich und Deutschland zeigt, dass Frauen, die ihre Regelschmerzen selbst für „normal“ hielten, ihre Diagnose im Schnitt fast drei Jahre später bekamen. Es dauerte auch länger, wenn schon die Mutter die Periode als belastend erlebt hatte.
Wir lernen, wie sich Frausein anfühlt, von den Frauen vor uns, die es genauso gelernt haben.
Es ist nicht deine Schuld
Wenn du jahrelang durchgehalten hast, hast du nichts falsch gemacht. Du hast getan, was dir beigebracht wurde.
Und wenn du gesucht hast und nicht gefunden wurdest: Drei von vier Frauen mit Endometriose bekommen zuerst eine falsche Diagnose. Das liegt nicht an dir, sondern an einem System, in dem Frauenschmerzen lange nicht ernst genug genommen wurden, und an einer Erkrankung, die schwer zu diagnostizieren ist.
Du hast nicht übertrieben. Du warst nicht zu empfindlich. Menstruationsschmerz ist einfach nach wie vor ein Tabu, etwas, über das noch nicht offen gesprochen wird.
Warum es so komplex ist
Endometriose ist nicht nur ein paar Herde im Bauch. Sie betrifft das ganze System:
Das Nervensystem wird bei langen Schmerzen empfindlicher. Der Schmerz kann sich auf Blase, Darm, Rücken oder Beckenboden ausbreiten. Unerklärt ist nicht eingebildet.
Die Muskeln spannen an, um zu schützen. Ein sehr angespannter Beckenboden kann selbst wieder Schmerzen machen.
Die Psyche: Chronische Schmerzen machen müde, gereizt, traurig. Und Stress macht Schmerzen stärker. Das eine bedingt das andere, ohne Schuld.
Dein Leben: Arbeit, Sex, Beziehung, Kinderwunsch, Freundschaften. Endometriose zieht an vielen Fäden gleichzeitig.
Deshalb hilft selten eine Sache allein, und deshalb empfiehlt auch die aktuelle Leitlinie, Endometriose ganzheitlich zu betrachten: Körper, Psyche und Lebensumstände zusammen.
Darum ist es auch mir so wichtig, interdisziplinär zu arbeiten. Du brauchst vielleicht nicht nur eine Gynäkologin, sondern auch eine Diätologin, eine Beckenboden-Physiotherapeutin oder eine Psychotherapeutin.
Dein Körper gibt sein Bestes
Dein Körper ist nicht kaputt. Er gibt jeden Tag sein Bestes, mit dem, was ihm zur Verfügung steht. Die Schmerzen sind kein Versagen, sondern ein Signal. Und Signale darf man ernst nehmen.
Merke: Du bist nicht schuld daran, dass es so lange gedauert hat. Es ist nicht deine Aufgabe zu wissen, welche Ursachen hinter Menstruationsschmerzen stecken können. Aber du darfst jetzt hinschauen.
Für ein starkes Becken
Was passiert, wenn du zu mir kommst?
Zuallererst: Ich behandle und unterstütze dich bei deinen Beschwerden, mit oder ohne Diagnose Endometriose. Wenn ich es für sinnvoll halte, empfehle ich dir eine bestimmte medizinische Abklärung oder die Unterstützung durch andere Berufsgruppen.
Das erste Gespräch
In unserem ersten Gespräch stelle ich dir viele Fragen. Manche davon können unangenehm sein, zum Beispiel, ob du Schmerzen beim Sex hast oder ob du schon einmal eine Fehlgeburt hattest. Ich frage nicht aus Neugier, sondern weil ich mir ein Bild machen möchte: Welche Belastungen liegen auf deinem Körper? Was ist schon alles passiert? Das hilft mir, die Komplexität hinter deinen Beschwerden zu verstehen.
Mir ist wichtig, dass du dich wohlfühlst. Ich bemühe mich immer, offen und wertschätzend zu sein, und du bestimmst, was du erzählen möchtest.
Die Untersuchung
Danach untersuche ich dich und bespreche mit dir, was mir besonders aufgefallen ist und wie ich dir helfen kann.
Mein Therapieansatz
Mein Ansatz bei Endometriose ist vielseitig:
Viszerale Behandlung: Mit sanften osteopathischen Techniken arbeite ich daran, die Durchblutung und Elastizität des Gewebes im Bereich der Endometriose-Herde zu verbessern.
Intravaginale Behandlung des Beckenbodens: vor allem, wenn der Beckenboden stark verspannt ist. Natürlich nur, wenn du das möchtest.
Yoga: eine Möglichkeit, selbst mit Übungen Bewegung und Durchblutung in dein Gewebe zu bringen.
Zyklusmanagement: Wie zeigt sich deine Endometriose genau? Was gehört zu ihr und was nicht? Und wie kannst du damit im Alltag umgehen?
Stressmanagement: Mit therapeutischem Yoga können wir an deinem Umgang mit Stress arbeiten. Craniosacrale Behandlungen wirken direkt auf dein Nervensystem.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Ich arbeite in einem Netzwerk und helfe dir, je nach Bedarf die passende Ansprechpartnerin zu finden.
Merke: Du musst den Weg nicht allein gehen. Und du musst nicht warten, bis du eine Diagnose hast, um Unterstützung zu bekommen.
📍 Endometriose-Zentren und spezialisierte Ärztinnen und Ärzte in Österreich
Zertifiziert nach den Kriterien von EuroEndoCert im Auftrag der Stiftung Endometriose-Forschung (SEF) und der Europäischen Endometriose Liga (EEL), gelistet von der Endometriose Vereinigung Austria (EVA). Stand: November 2026. Zertifikate werden regelmäßig erneuert, die aktuelle Liste findest du bei der EVA: eva-info.at/kompetenzzentren
Wien
Universitätsklinik für Frauenheilkunde, AKH Wien. Endometriosezentrum, Leitung: Prof. Dr. René Wenzl. Währinger Gürtel 18–20, 1090 Wien. Tel. +43 1 40400 28040
Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien. Endometriosezentrum, Leitung: Dr. Claudia Rüsch. Johannes-von-Gott-Platz 1, 1020 Wien. Tel. +43 1 211 211 530
Klinik Ottakring. Endometrioseklinik, Leitung: Dr. Plamen Lozano. Montleartstraße 37, 1160 Wien. Tel. +43 1 49150-4710
Ordinationsgemeinschaft Woman & Health. Endometriosepraxis, Univ.-Prof. PD Dr. Gernot Hudelist. Laurenzerberg 2, 1010 Wien. Tel. +43 1 5333654, womanandhealth.at Prof. Hudelist ist international bekannt für die Ultraschall-Diagnostik und die Operation der Endometriose, auch der tief infiltrierenden Form. Er operiert u. a. am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder und im Rudolfinerhaus.
Niederösterreich
Landesklinikum Melk. Endometrioseklinik, Leitung: Prim. Dr. Leopold Wanderer. Krankenhausstraße 11, 3390 Melk. Tel. +43 2752 9004-11120
Landesklinikum Neunkirchen. Endometrioseklinik, Leitung: Prim. Dr. Albert Knauder. Peischinger Straße 19, 2620 Neunkirchen. Tel. +43 2635 9004-17015
Oberösterreich
Kepler Universitätsklinikum Linz. Endometriosezentrum, Leitung: Univ.-Prof. Dr. Peter Oppelt. Krankenhausstraße 26–30, 4020 Linz. Tel. +43 5 7680 84 23730
Ordination Drs. Oppelt (Gynlounge), Linz. Endometriosepraxis. Schillerstraße 7, 4020 Linz. Tel. +43 732 667161, gynlounge.at
Klinikum Wels-Grieskirchen. Endometrioseklinik, Leitung: Dr. Hannes Schneiderbauer. Grieskirchner Straße 42, 4600 Wels. Tel. +43 7242 415-3365
Steiermark
Universitätsklinikum Graz. Endometriosezentrum, Leitung: Priv.-Doz. Dr. Monika Wölfler. Auenbruggerplatz 14, 8036 Graz. Tel. +43 316 385-13810
Kärnten
LKH Villach. Endometriosezentrum, Leitung: Dr. Elisabeth Janschek. Nikolaigasse 43, 9500 Villach. Tel. +43 4242 208-62392, endometriose-villach.at
Ordination Dres. Keckstein, Villach. Endometriosepraxis, Prof. Dr. Jörg Keckstein und Dr. Simon Keckstein. Richard-Wagner-Straße 18, 9500 Villach. Tel. +43 4242 25917
Tirol
Universitätsklinik Innsbruck. Endometriosezentrum, Leitung: Priv.-Doz. Dr. Beata Seeber. Anichstraße 35, 6020 Innsbruck. Tel. +43 50 504-23068
Landeskrankenhaus Hall in Tirol. Endometrioseklinik, Leitung: Prim. DDr. Peter Widschwendter. Milser Straße 10, 6060 Hall in Tirol. Tel. +43 50 504-36300
Praxis Prof. Dr. Andreas Widschwendter, Innsbruck. Endometriosepraxis. Gänsbacherstraße 10, 6020 Innsbruck. Tel. +43 660 2828028
Vorarlberg
Landeskrankenhaus Feldkirch. Endometriosepraxis, Leitung: Prim. Dr. Burghard Abendstein. Carinagasse 47, 6800 Feldkirch. Tel. +43 5522 303-2200
In Salzburg und im Burgenland ist derzeit kein zertifiziertes Zentrum gelistet.
Selbsthilfe und Beratung
EVA, Endometriose Vereinigung Austria: Infos, E-Mail-Beratung, Liste aller Zentren. eva-info.at
EndÖ, Endometriose Österreich: Vorträge, digitale Treffen, jährlicher Online-Kongress. endometriose-oesterreich.at
EndoPower Wien: Selbsthilfegruppe für Wien und Umgebung. endopower-wien.at
Frauengesundheitszentrum Graz: kostenlose Beratung zu Endometriose in der Steiermark. frauengesundheitszentrum.eu
Quellen
WHO: Endometriosis Fact Sheet
MedUni Wien / MedUni Graz / Klinikum Wels-Grieskirchen: bis zu 300.000 Betroffene in Österreich
Hudelist G. et al. (2012): Diagnostic delay for endometriosis in Austria and Germany. Human Reproduction
S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Endometriose, DGGG/OEGGG/SGGG (April 2025), Geburtshilfe und Frauenheilkunde 2026
ESHRE Endometriosis Guideline (2022)
Endometriose Vereinigung Austria: Zertifizierte Endometriosezentren (eva-info.at/kompetenzzentren)
Stiftung Endometriose-Forschung: Liste der Endometriosezentren (endometriose-sef.de)

